Pressemitteilung

Klasse für jugendliche Asylbewerber und Flüchtlinge an der Berufsschule Dachau

"Ab dem Schuljahr 2013/14 wird es an der Berufsschule Dachau ein neues Bildungsangebot für junge Asylbewerber und Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 21 Jahren geben. Hier bestand im Landkreis bisher eine Lücke. Ob die Betroffenen eine Schule besuchen konnten, hing häufig vom Goodwill der verantwortlichen Behörden ab. Mit vereinten Kräften kann für diese jungen Menschen im nächsten Schuljahr ein neues, verlässliches Bildungsangebot und damit eine berufliche Perspektive geschaffen werden. Das Kultusministerium hat zudem zugesagt, das kommende Angebot ab dem darauffolgenden Schuljahr 2014/15 in eine Regelförderung zu überführen", teilte Bernhard Seidenath, Stimmkreisabgeordneter für den Landkreis Dachau im Bayerischen Landtag, heute mit. Seidenath informierte über diese "gute Nachricht" in einer Pressekonferenz in Dachau zusammen mit der stellvertretenden Landrätin Eva Rehm, Regierungsschuldirektor Jürgen Ersing, Regierung von Oberbayern, der Leiterin des Staatlichen Schulamts Dachau, Isolde Stefanski, dem Leiter der Staatlichen Berufsschule Dachau, Johannes Sommerer, Waltraud Wolfsmüller vom Arbeitskreis Asyl Dachau, dem Marketing-Leiter der Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG, Martin Richter, Wilhelm Becker, dem Präsidenten des LIONS-Clubs Dachau, Simone Weber aus dem Abiturjahrgang 2009 des Ignaz-Taschner-Gymnasiums (ITG) Dachau, Roni Mohiyeddin Othman, der vor sechs Monaten als jugendlicher Asylbewerber aus Syrien nach Dachau gekommen ist, der Geschäftsführerin der Volkshochschule (VHS) Dachau, Johanna Weizer, sowie Matthias Buschhaus, dem stellvertretenden VHS-Geschäftsführer.

"Das Beschulungsangebot für die jugendlichen Asylbewerber und Flüchtlinge wird zweijährig angelegt sein. Im ersten Jahr wird für die Jugendlichen das Erlernen der deutschen Sprache im Mittelpunkt stehen, im zweiten Jahr die Berufsvorbereitung sowie der Erwerb eines Hauptschulabschlusses. So können die Jugendlichen die erforderliche Ausbildungsreife erlangen und ihre Chancen auf eine erfolgreiche berufliche Perspektive verbessern", berichtete Jürgen Ersing von der Regierung von Oberbayern.

Möglich wird dies durch eine gemeinsame Kraftanstrengung vieler Beteiligter: Der Dachauer Arbeitskreis Asyl, dessen ehrenamtlich Engagierte die Asylbewerber und insbesondere die Jugendlichen betreuen, hat das Heft des Handelns in die Hand genommen und ermöglicht zusammen mit der VHS Dachau und mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG, des LIONS-Clubs Dachau und der Abiturientinnen und Abiturienten des ITG eine solche Klasse für Asylbewerber und Flüchtlinge, die an der Berufsschule Dachau implementiert werden wird. Mit den Mitteln der Sponsoren wird der komplette Sprachunterricht für das Schuljahr 2013/14 finanziert.

"Eine gute und fundierte Berufsausbildung ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfülltes Berufsleben. Dies gilt für einheimische Jugendliche ebenso wie für Jugendliche, die als Asylbewerber zu uns kommen. Deshalb freue ich mich sehr über das neue Angebot und danke von Herzen all denen, die es ermöglicht haben", erklärte die stellvertretende Landrätin Eva Rehm.

"In Dachau haben wir derzeit 67 Asylbewerber und Flüchtlinge im berufsschulpflichtigen Alter, acht von ihnen sind so genannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die ohne Familie in Bayern angekommen sind. Bayernweit sind derzeit ca. 800 der insgesamt 5.600 berufsschulpflichtigen Asylbewerber und Flüchtlinge unbegleitet und minderjährig. Mit den Jugendlichen werden wir eine neue Klasse bilden, die an der Berufsschule in Dachau beschult wird. Ab dem Schuljahr 2014/15 wird der Staat dieses Angebot zum Regelangebot machen", erklärten Isolde Stefanski, Leiterin des Staatlichen Schulamts Dachau, und Johannes Sommerer, Leiter der Berufsschule Dachau, und fügten hinzu: "Besonders erfreulich ist, dass das Kultusministerium das neue Angebot durch die Ludwig-Maximilians Universität München begleiten lassen wird. Damit können wir wissenschaftlich fundiert vorgehen."

"Wir freuen uns sehr für die jugendlichen Asylbewerber und Flüchtlinge, denen ab dem kommenden Schuljahr ein adäquates Bildungsangebot in Dachau zur Verfügung stehen wird. Damit bauen wir den jungen Menschen eine Brücke in ihre berufliche Zukunft - vielleicht sogar in ihren Traumberuf! Für den 16-jährigen Roni Mohiyeddin Othman, der seit Dezember 2012 als jugendlicher Asylbewerber in der Kufsteiner Straße in Dachau lebt, kommt dieses Angebot wie gerufen. Trotz intensiver Bemühungen war es bisher nämlich nicht gelungen, für den berufsschulpflichtigen Roni einen Schulplatz zu finden. Ab September 2013 geht für ihn sein sehnlichster Wunsch in Erfüllung: er kann endlich eine Schule besuchen", freute sich Waltraud Wolfsmüller vom Dachauer Arbeitskreis Asyl. Zusammen mit MdL Bernhard Seidenath hatte sie die nun gefundene Lösung im Kultusministerium eingefädelt.

"Wir unterstützen die Initiative, weil es wichtig ist, dass in unserer Gesellschaft niemand wegen seiner Herkunft oder seines sozialen Umfeldes chancenlos bleibt. Bildung ist und bleibt eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und ist damit ein Gewinn für Alle", erklärte Martin Richter für die Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG.

"Wir haben gerne gefördert, weil wir gemäß unseres Grundsatzes ‚we serve' (wir dienen) besonders jungen Menschen eine Perspektive geben wollen!", berichtete Wilhelm Becker, Präsident des LIONS-Clubs Dachau.

"Genau dieses Projekt wollten wir. In Bildung investieren, das war das Ziel unserer Abiturspende", freuten sich die Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2009 am Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau.

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