Pressemitteilung

Diskussion um Impfpflicht: Seidenath für Aufklärung und Eigenverantwortung – Bayerischer Präventionsplan legt im Jahr 2015 Schwerpunkt auf Kindergesundheit und Impfen

„Man kann allen nur raten: Lassen Sie Ihre Kinder impfen! Gerade gegen so hochansteckende und schwerwiegende Krankheiten wie Masern! Wenn Kinder nicht geimpft sind, geht dies in der Regel auf Nachlässigkeit der Eltern zurück und nicht auf eine bewusste Entscheidung. Denn nur 1,7 Prozent der Eltern in Deutschland gelten als bewusste Impfverweigerer. Gezielte Aufklärung halte ich deshalb für wichtiger und zielführender als die Einführung einer Impfpflicht“, erklärte Bernhard Seidenath, Stimmkreisabgeordneter für den Landkreis Dachau und gesundheits- und pflegepolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion.

In der Bundeshauptstadt Berlin grassiert seit Oktober 2014 eine Masernwelle, die sich weiterhin nicht abschwächt. Im Jahr 2015 sind bisher – Stand 12. März 2015 - bereits 661 Menschen erkrankt, pro Tag kommen bis zu 20 neue Fälle hinzu. Seit Oktober wurden insgesamt 782 Erkrankungen gemeldet. Ein 18 Monate altes Kind ist an den Folgen der Erkrankung gestorben.
„Die weit verbreitete Auffassung ‚Ob ich mich impfen lasse oder nicht, geht doch nur mich an‘, ist leider komplett falsch. Denn im Fall einer Erkrankung werden andere in Mitleidenschaft gezogen, die sich anstecken können. Bei Geimpften ist das nicht der Fall. Wenn zu wenige geimpft sind, gelingt es auch nicht, das Masern-Virus auszurotten. Dies war eigentlich das Ziel bis zum Jahr 2015, was aktuell in weite Ferne gerückt ist. Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern gehören zu den ansteckendsten Krankheiten überhaupt. So gut wie jeder nicht geimpfte Mensch bekommt Masern, wenn er Kontakt zu einem Erkrankten hat. Die Viren werden durch kleinste Tröpfchen beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen. Wenn sich jemand ansteckt, bricht die Krankheit auch aus. Aber: Wer einmal Masern hatte, ist lebenslang immun“, erläuterte Seidenath.

Nicht wenige denken deshalb über die Einführung einer Impfplicht in Deutschland nach, wie sie – für Masern-, Mumps und Röteln - in acht von 29 EU-Ländern, etwa in Polen, Ungarn oder Tschechien, besteht. Auch in Deutschland gab es schon einmal Impfpflichten: zwischen 1949 und Ende 1975 bestand ein allgemeiner Impfzwang, um die Pocken auszurotten, was schließlich auch gelungen ist. Bis 1983 war eine Pockenimpfung für Kinder im Alter von einem bis zwölf Jahren obligatorisch.

Der Freistaat Bayern wird in den nächsten Monaten einen Präventionsplan vorstellen, bei dem auch das Thema „Impfen“ eine wichtige Rolle spielen wird. Gerade 2015, denn in diesem Jahr wird „Kindergesundheit“ das Jahresschwerpunktthema sein. „Mehr Information und Aufklärung halte ich deshalb für zielführender als eine Impfpflicht, denn wer Menschen zu etwas zwingen will, riskiert immer auch eine reflexhafte Opposition. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die Erregern von Infektionen wie Masern, aber selbst auch von Kinderlähmung oder Diphtherie eine erfolgreiche Rückkehr ermöglichen: viele Erkrankte haben z.B. ihre Impfung im Alter nicht auffrischen lassen und sind dadurch zu Überträgern geworden“, betonte Seidenath.

Impfungen nimmt der Hausarzt vor. Ergänzend können auch die Gesundheitsämter in Bayern selbst Impftermine für die Bürger anbieten. Dank einer Vereinbarung zwischen den Krankenkassen und dem Bayerischen Apothekerverband können die Gesundheitsämter Impfstoffe direkt von den öffentlichen Apotheken beziehen und mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Das Angebot der Gesundheitsämter erfolgt in Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft vor Ort. Sie überprüfen während gesonderter Impfsprechstunden die Impfausweise und beraten über die Notwendigkeit der Schutzimpfungen auf Grundlage der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts. "Eine Impfung ist ein kleiner Schritt mit großer Wirkung - dadurch gibt man sich und den Mitbürgern Sicherheit. Nehmen Sie doch beim nächsten Arztbesuch einfach ihren Impfausweis mit", riet Seidenath. Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.stmgp.bayern.de/aufklaerung_vorbeugung/impfen.

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